/Projektbuero/Genehmigungsantrag

Die Unterlagen zum Abweichungsverfahren gem. Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
Die im Zuge der Planänderung I von den Vorhabensträgern vorgelegte Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Verträglichkeitsuntersuchung kommt zum Ergebnis, dass der Fahrrinnenausbau keine erheblichen Auswirkungen auf FFH-Schutzgebiete hervorruft. Unter Berücksichtigung der im Zuge des Anhörungsverfahrens vorgelegten Stellungnahmen und Einwendungen, aktueller Rechtsprechung sowie aufgrund eines von der Planfeststellungsbehörde der WSD Nord beauftragten Gutachtens kommen die Planfeststellungsbehörden demgegenüber zum Ergebnis, dass erhebliche Auswirkungen auf die betroffenen FFH-Schutzgebiete nicht ausgeschlossen werden können.

Die Planänderung III enthält deshalb auch  die notwendigen Unterlagen für ein Ausnahmeverfahren nach EU-Recht. Dazu gehören eine Beschreibung des Projekts, der Nebenwrikungen des Vorhabens, eine Alternativenprüfung und die Darstellung der zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses sowie die Beschreibung der geplanten Maßnahmen, die sicher stellen, dass die Kohärenz (Zusammenhang) des Netzes Natura 2000 erhalten bleibt. Natura 2000 ist ein europaweites, ökologisches Netz besonderer Schutzgebiete zur Sicherung seltener Lebensräume und Arten. Entlang der Unter- und Außenelbe existieren zahlreiche FFH-Schutz­­-
gebiete.

Der Gutachter der Planfeststellungsbehörde WSD Nord nimmt an, dass mehrere Vorhabenswirkungen, die einzeln keine erheblichen Auswirkungen hervorrufen, in ihrem Zusammenwirken zu einer Abnahme der Naturnähe führen und damit insgesamt zu einer erheblichen Veränderung des Lebensraumtyps Ästuarien. Die durch den Fahrrinnenausbau hervorgerufene Stromaufverschiebung der Brackwasserzone führt darüberhinaus laut Gutachter zu einer dauerhaften Verkleinerung des potenziellen Lebensraums des Schierlings-Wasserfenchels, einer gem. FFH-Richtlinie ­prioritär zu schützenden Pflanzenart. Diese Auswirkungen werden vom Gutachter vorsorglich als erhebliche Beeinträchtigung gewertet.

Um diesen möglichen Beeinträchtigungen entgegen zu wirken, sind sogenannte Kohärenzsicherungsmaßnahmen vorzusehen. Hierzu haben die Vorhabensträger die geplanten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen dahingehend geprüft, ob sie ausreichende Kohärenzwirkungen erzielen können. Für den Lebensraumtyp Ästuarien ergibt die ­Prüfung der Maßnahmengebiete, dass es typische tide­beeinflusste Ästuarflächen sind bzw. solche neu geschaffen werden. Zwischen den Maßnahmegebieten bestehen außerdem über das Tidegeschehen auch Austauschbeziehungen. Der quantitativen Beschreibung ist zu entnehmen, dass Kohärenzmaßnahmen zugunsten des Lebensraums Ästuarien auf ins­gesamt 621,61 ha Fläche durchgeführt werden sollen.

kohaerenzmassnahmen

Geeignete Lebensräume für den Schierlings-Wasserfenchel (siehe Foto unten) können in Kombination mit (Wieder-) Ansiedlungsmaßnahmen, z.B. im Bereich Zollenspieker, durch neue tide­beeinflusste schlickige und strömungsarme Uferbereiche geschaffen werden.
Mit den geplanten Maßnahmen können ausreichende Kohärenzwirkungen sicher erreicht werden.

schierling