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II. Die Fahrrinnenanpassung ist eine Maßnahme von hoher ökologischer Qualität.
5. Der Ausbau der Seeschifffahrtsstraße Elbe ist eine Maßnahme mit einem großen transportökologischen Nutzeffekt.

Der mit dem Welthandel wachsende Warentransport belastet unsere Umwelt umso weniger, je mehr er auf Wasserwege gelenkt werden kann. Daher sind im Rahmen der EU die Programme „From Road to Sea“ bzw. „Motorways of the Sea“ als europäische und nationale Maßnahmenbündel einer nachhaltigen Verkehrspolitik entwickelt­ worden. Die Fahrrinnenanpassung ist eine wichtige wirksame Teilmaßnahme in diesem Handlungsfeld.
  • Generell ist die Umweltbilanz des Transportes auf Wasserstraßen wesentlich günstiger als die des Straßentransportes.
  • Mit neuen und großen Schiffen lässt sich der Energieverbrauch sowie der Schadstoff- und CO2-Ausstoß pro transportierte Ladungseinheit zusätzlich senken.
Die Verlagerung bestehender und neu entstehender Verkehre von der Straße auf die Schiene und den Wasserweg ist in Deutschland von besonderer Bedeutung, da hier der Straßenverkehr bereits extrem ausgelastet ist.    
  • Als Exportnation mit hohem Transportaufkommen und als erstrangiges Transitland im Herzen Europas hat Deutschland die Kapazitätsgrenzen seines Straßenverkehrs bereits erreicht.
  • Da Straßenbaumaßnahmen außerordentlich teuer sind und überdies stets erhebliche Eingriffe in Natur und die Lebensbedingungen der Menschen mit sich bringen, sind weitere Kapazitätssteigerungen nur bedingt möglich.
Die Fahrrinnenanpassung ist innerhalb dieser Verlagerungsstrategie eine besonders wirksame Maßnahme, weil sie mit Hamburg einen nachfragestarken Ballungsraum anbindet, der zugleich Knotenpunkt weiterer umweltschonender Transportsysteme ist. Die Fahrrinnenanpassung kann so bei relativ geringem Aufwand bedeutende transportökologische Primär- und Sekundäreffekte erzielen.
  • Die Fahrrinnenanpassung nutzt bestehende Infrastrukturen (seeschifftiefe Fahrrinne, Umschlaganlagen im Hafen) und schafft dadurch schnell, kostengünstig und mit geringer Umweltbelastung zusätzliche umweltschonende Transportkapazitäten.   
  • Dank der Lage des Hamburger Hafens als Flusshafen 130 km von der Nordsee-küste entfernt erstreckt sich der günstige Seetransport weit ins Binnenland und verkürzt teurere und umweltbelastende Landtransporte um diese Distanz.   
  • Durch die Nähe zum Nord-Ostsee-Kanal ist es möglich, insbesondere für Nord- und Osteuropa bestimmte Ladung durch Seeschiffe weiter zu leiten.
  • Die hervorragende Anbindung des Hafens an die kontinentalen Schienentransportsysteme und Binnenwasserstraßen schaffen die Möglichkeit, auch im Weitertransport umweltschonende Wege zu benutzen.
Hamburg ist aufgrund seiner sehr guten Eisenbahninfrastruktur und der dichten Güterzugverbindungen ins deutsche und europäische Hinterland der bedeutendste „Eisenbahnhafen“ Europas. Über die stadteigene Bahninfrastruktur werden mehr als die Hälfte aller im Fernverkehr transportierten Container zu- und abgefahren. Durch den hohen Beförderungsanteil der Bahn wird der Straßenverkehr in Hamburg sowie in der Metropolregion erheblich entlastet.
  • Die Attraktivität des Hamburger Hafens ist Grundlage für den Erfolg der kleineren Unterelbehäfen, der Häfen im Ostseeraum und der Häfen entlang der Mittel- und Oberelbe. Deren Wachstum wiederum verbessert die Leistungskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Wasserstraßen-Infrastruktur insgesamt.

6.
Die Maßnahme Fahrrinnenanpassung bringt dabei aufgrund ihrer strombaulichen Minimierungselemente nur geringfügige Eingriffe mit sich, die überdies ausgeglichen werden können.

Die an zentraler Stelle im Mündungsgebiet vorgesehenen Strombauwerke sorgen dafür, dass die theoretisch möglichen hydrologischen Folgen einer Fahrrinnenanpassung (größerer Querschnitt und „Glättung“ des Flussbettes, in der Folge mehr Tidevolumen, mehr Tidehub und stärkere Strömungen) in der Praxis deutlich gedämpft werden. Damit entstehen über den abschnittweisen Eingriff in den Bodenkörper hinaus nur noch wenige und in ihrer Bedeutung geringe Beeinträchtigungen.

Die Unterelbe wird entlang fast ihrer gesamten Länge gesäumt von ökologisch hochwertigen, besonders geschützten FFH-Gebieten und von Lebensräumen bedrohter Arten. Für alle diese Gebiete und Arten wurden die vorgeschriebenen Verträglichkeitsuntersuchungen vorgenommen. In keinem Fall waren erhebliche Beeinträchtigungen durch die Ausbaumaßnahmen erkennbar.   
  • Die Größe aller Schutzgebiete und die Größe des Lebensraumtyps Ästuarien bleiben erhalten.   
  • Sämtliche Arten, die durch die FFH- oder Vogelschutzrichtlinie geschützt sind oder maßgebliche Bestandteile des Lebensraumtyps Ästuarien sind, bleiben unbeeinträchtigt.   
  • Die Habitatfunktionen des Elbästuars für die in ihm lebenden Tiere und Pflanzen bestehen in unverminderter Form weiter.   
  • Es werden keine Arten und Lebensraumtypen besonders schwer oder letzt-instanzlich bedroht und bleiben, sowohl im Eingriffsgebiet selbst als auch an anderen Orten der Region weiterhin vertreten.
Die Genehmigungsbehörden haben aus Vorsorgegründen dennoch erhebliche Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen und die Prüfung ihrer Ausgleichbarkeit empfohlen. Hierzu haben die Vorhabensträger die geplanten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen dahingehend geprüft, ob sie ausreichende Kohärenzwirkungen erzielen können. Dies ist der Fall.   
  • Für den Lebensraumtyp Ästuarien ergibt die Prüfung der Maßnahmengebiete, dass es typische tidebeeinflusste Ästuarflächen sind bzw. solche neu geschaffen werden. Zwischen den Maßnahmegebieten bestehen außerdem über das Tidegeschehen auch Austauschbeziehungen. Es werden Kohärenzmaßnahmen zugunsten des Lebensraums Ästuarien auf ins gesamt 621,61 ha Fläche vorgesehen.   
  • Geeignete Lebensräume für den Schierlings-Wasserfenchel können in Kombination mit (Wieder-)Ansiedlungsmaßnahmen, z.B. im Bereich Zollenspieker, durch neue tidebeeinflusste schlickige und strömungsarme Uferbereiche geschaffen werden.
  • Die positive Stellungnahme der EU-Kommission zum Vorhaben bestätigt die Einschätzung der Vorhabensträger.
Die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU) gehen in eine ähnliche Richtung. In der UVU werden über Flora und Fauna hinaus Schutzgüter wie Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaftsbild und der Mensch und seine Gesundheit betrachtet. Das Ausmaß der ausbaubedingten Beeinträchtigungen ist insgesamt sehr gering, und alle diese Beeinträchtigungen können durch Maßnahmen im Eingriffsgebiet selbst ausgeglichen werden.

Geringfügige Veränderungen werden beim Sedimenttransport im Abschnitt zwischen Glückstadt und Wedel auftreten, sehr geringfügige Veränderungen bei der Lage der Brackwasserzone. Ob von diesen Veränderungen negative Wirkungen für wirtschaftliche Nutzungen (Fischerei, Häfen, Obstbau) ausgehen, wird im Planfeststellungsverfahren abgewogen und ggf. durch Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses ausgeglichen.


7.
Die Fahrrinnenanpassung ist in ihrer ökologischen Qualität ein sinnvoller Baustein zur nachhaltigen Entwicklung der Tideelbe.

Die WSD Nord und die HPA haben eine Gesamtschau auf das Flusssystem Elbe und ein übergreifendes und langfristig angelegtes Handlungskonzept zu dessen nachhaltiger Entwicklung entworfen. Aus den Erkenntnissen der heutigen Situation und ihrer Entwicklung wurden drei Eckpfeiler für einen zukünftigen Aktionsplan zur nachhaltigen Entwicklung der Tideelbe abgeleitet:
  1. Dämpfung der einschwingenden Tideenergie durch strombauliche Maßnahmen insbesondere im Mündungstrichter,
  2. Schaffung von Flutraum im Bereich zwischen Glückstadt und Geesthacht,
  3. Optimierung des Sedimentmanagements unter Berücksichtigung des Gesamtsystems der Elbe.
Die Umsetzung und Fortschreibung dieses Entwicklungskonzepts vollzieht sich in fachplanerischen Einzelprojekten, die die vorgeschlagenen Elemente aufgreifen und mit den jeweiligen besonderen Zielstellungen der Projekte harmonisieren.

Mit der Fahrrinnenanpassung findet dieses Konzept erstmalig seine praktische Anwendung. Im Genehmigungsantrag zur Fahrrinnenanpassung sind die geplanten Strombauwerke, den Grundsätzen des Tideelbekonzeptes folgend, als ein Beitrag zur Dämpfung der Tideenergie angelegt. Die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen zielen vor allem auf eine Vermehrung der ökologisch bedeutsamen Flachwassergebiete im Flusssystem.

8.    
Für die Kontrolle der wesentlichen hydrologischen, morhologischen und ökologischen Parameter des Ästuarsystems Elbe sind langfristig angelegte Monitoring-Programme entwickelt und etabliert worden.

Der Planfeststellungsbeschluss für die im Jahr 2000 abgeschlossene Fahrrinnenanpassung ordnete ein Beweissicherungsprogramm an, um die in den Antragsunterlagen prognostizierten Auswirkungen auf Umwelt und Natur zu überprüfen. Das Untersuchungsgebiet umfasst die gesamte Tideelbe und ihre Nebenflüsse bis zur Tidegrenze.
  • Die Ergebnisse der kontinuierlichen Beweissicherung werden im Internet voll-tändig bereit gestellt und laufend aktualisiert. www.portaltideelbe.de/Projekte/FRA1999/index.html
  • Die Jahresberichte der Beweissicherung werden ebenfalls im Internet veröffentlicht, nachdem sie mit den Einvernehmensbehörden der beteiligten Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg abgestimmt wurden (Internetadresse s.o.).
  • Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die vor den Baumaßnahmen erarbeiteten gutachterlichen Prognosen über den Umfang maßnahmenbedingter Veränderungen im Ästuar sachgerecht und im Sinne der Vorsorge praktikabel waren. Bei keinem der untersuchten Parameter haben die tatsächlichen Veränderungen die Prognosewerte überschritten.
  • Im Planfeststellungsbeschluss zur jetzt beantragten Fahrrinnenanpassung werden die Planfeststellungsbehörden den fachlichen und zeitlichen Umfang der künftigen Beweissicherungsmaßnahmen festlegen.



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