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Infrastruktur ist Krisenvorsorge
Die Containerriesen des interkontinentalen Schiffsverkehrs sind das Markenzeichen der Globalisierung und werden es bleiben. Die Wirtschaftskrise wird ihren Einsatz eher beschleunigen und den Anteil großer Schiffe in den Flotten weiter erhöhen.
Die Globalisierung der Produktionssphären und Handelsbeziehungen hat für ein starkes Wachstum des kostengünstigen und ressourcenschonenden Seetransports gesorgt. Da die Globalisierung ein Grundprozess der letzten und der kommenden Jahrzehnte ist, wird sich das Wachstum des Seetransportes auch in Zukunft fortsetzen. Was heißt das für Hamburg?


Hamburg und die Globalisierung

Die Umschlagzahlen der letzten Jahre bilden die herausragende Marktstellung Hamburgs deutlich ab. Prognosen bescheinigen, dass Hamburg insbesondere seinen Containerumschlag weiter deutlich steigern können wird. Jüngere Studien rechnen mindestens mit einer Verdoppelung bis 2025.

Es werden sich alle Trends der maritimen Logistik, die mit der Globalisierung in enger Verbindung stehen, weiterhin und über die konjunkturellen Bewegungen hinweg ausprägen. Dies gilt z.B. für die Containerisierung, die inzwischen fast sämtliche Stückgüter erfasst hat, nun auf das Massengut ausstrahlt und auch im Bereich der Binnenschifffahrt stark voranschreitet. Es gilt ebenso für die stetige Transportkostenoptimierung über Herausbildung ladungsstarker Hauptlinien und Mainports sowie, damit einhergehend, für den Einsatz großer Schiffe.


Mehr Kostendruck bedeutet größere Schiffe

Der Einsatz großer Schiffseinheiten wurde durch die konjunkturelle Krise verstärkt, da bei diesen geringere Transportstückkosten entstehen. Auf den Hauptlinien zwischen Asien, Europa und Amerika haben wir dies  als primäre Reaktion auf geringer werdende Ladungsvolumina erlebt. Die Ladung wurde soweit möglich auf den modernsten und größten Schiffseinheiten zusammengeführt, kleinere Schiffe wurden ausgemustert. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die geplante Anpassung der Elbfahrrinne an die Tiefgänge der modernen Containerschiffe sowie die Anpassung der Terminalkapazitäten und Landverkehrsinfrastruktur an deren Umschlagsvolumina an Dringlichkeit noch gewinnen. Um es zusammenzufassen: Die zurückliegende Krise weiter Teile der Weltwirtschaft hat die großen Infrastrukturprojekte für die maritime Transportwirtschaft nicht in Frage gestellt, sondern bestätigt. Die Fahrrinnenanpassung ist nicht mehr allein eine wichtige, drängende Gestaltungsaufgabe für die langfristige Bewältigung künftiger Verkehre. Sie gewinnt sogar den Charakter einer wichtigen und wirksamen mittelfristigen Krisenvorsorge. Die zügige Umsetzung dieser Maßnahme sollte deshalb für ganz Norddeutschland ein vorrangiges Anliegen sein.

Containerterminals, Umstrukturierungen und Hafenerweiterungsgebiet


Quelle: HPA

Konjunkturdelle oder Ende der Globalisierung?


Stellt die zurückliegende Krise alle Prognosen in Frage? Sind infolgedessen die Planungen für Fahrrinnenanpassung, Terminalausbau, Verkehrswegeausbau zu ändern? Diese Fragen sind berechtigt schon angesichts des Ausmaßes, den der krisenhafte Einbruch der Weltwirtschaft angenommen hat.

Ihrem Charakter nach handelte es sich bei der Krise teils um eine Finanzmarktkrise, teils um eine konjunkturelle Abwärtsbewegung in der Realwirtschaft. Letztere Sphäre ist für die Transportwirtschaft am Ende maßgeblich, wobei beide Krisensphären in Wechselwirkung miteinander sich gegenseitig verstärken können.

Infolge der konjunkturellen Abwärtsbewegung bzw. Rezession stagnierten Produktion und Austausch von Waren zeitweilig bzw. gingen zurück. Gleichwohl wird der langfristige weltwirtschaftliche Entwicklungsprozess durch eine Rezession nicht umgekehrt oder grundlegend verändert.

Rezessionen ändern nichts am Fortschreiten der industrialisierten Warenproduktion und der wachsenden Automation industrieller Fertigungsprozesse. Sie ändern auch nichts an der Globalisierung als Prozess der fortschreitenden Internationalisierung der Produktion und Konsumtion bei gleichzeitig wachsender Vernetzung aller beteiligten Akteure. Alle diese Prozesse sind derzeit weder am Ende angelangt noch befinden sie sich in einer kritischen Phase. Der Globalisierungsgewinner Hamburg kann weiter auf die Globalisierung setzen. Es bestehen daher auch keine Zweifel an der mittel- und langfristigen Erreichbarkeit der prognostizierten Wachstumswerte.