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Art und Umfang hydrodynamischer Veränderungen
Die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) hat die vom Ausbau ausgehenden Veränderungen im Fließgeschehen mit Hilfe computergestützer Modellsimulationen ermittelt. Dafür wurden Normaltiden mit niedrigem Oberwasser (Normalfall) und mit hohem Oberwasser untersucht. Auch der erwartete Meeresspiegelanstieg wurde berücksichtigt. Im Ergebnis sind die folgenden Veränderungen zu erwarten:

  • Flut- und Ebbstromgeschwindigkeit
    Die Strömungsgeschwindigkeiten der Tideelbe sind örtlich verschieden und zudem starken natürlichen Schwankungen unterworfen. Die höchsten Strömungsgeschwindigkeiten treten in der tiefen Hauptrinne der Elbe auf. Dort liegen die mittleren Geschwindigkeiten in der Größenordnung zwischen 0,6 m/s und 1,5 m/s, die maximalen Werte können abschnittsweise 2,2 m/s erreichen.

    Der Ausbau verursacht nur an wenigen Orten und nur kleinräumig eine Zunahme der Strömungsgeschwindigkeiten.Dies wird vor allem am Rande der neuen Unterwasserablagerungsflächen im Mündungsbereich geschehen und ist wegen der damit verbundenen Energiezehrung erwünscht. Hier kommt es in der tiefen Rinne zu einer Zunahme der maximalen Flutstromgeschwindigkeit um bis zu 0,15 Meter pro Sekunde (m/s) und der maximalen Ebbstromgeschwindigkeit um bis zu 0,25 m/s. Kurz vor und in Hamburg werden sowohl die Flut- als auch die Ebbstromgeschwindigkeiten um 0,10 bis 0,15 m/s abnehmen. Die Bandbreite der im Ist-Zustand örtlich auftretenden natürlichen Schwankungen wird durch diese Veränderungen nicht verlassen.



    Die größte Verstärkung der maximalen Strömungsgeschwindigkeiten (Rot) ist im Bereich Unterwasserablagerungsfläche Medemrinne zu erwarten. Am selben Ort kommt es auch zur größten Verstärkung des Tidehubs (Simulationsergebnisse für das Szenario niedriges Oberwasser/ Normalfall. Quelle: BAW)


  • Tidewasserstände
    Das mittlere Tidehochwasser (MThw) sinkt im Abschnitt zwischen Altenbruch und Brokdorf um bis zu 2 cm ab und steigt im Abschnitt Glückstadt bis Geesthacht zwischen 2 cm und 3 cm an. Die maximale Erhöhung liegt im Bereich Stadersand bis Wedel.
    Das mittlere Tideniedrigwasser (MTnw) verändert sich in der Außenelbe nicht. Bei Cuxhaven sinkt es um etwa 2 cm ab, um dann bis zur Ostemündung um etwa 2 cm anzusteigen. Weiter stromaufwärts sinkt das Tideniedrigwasser um max. 3 bis 4 cm (Hamburg) ab. Oberhalb Hamburgs liegen die Veränderungen des MTnw zwischen -3 cm und 0 cm.
    Aus diesen Änderungen ergibt sich ein bis zu 5 cm erhöhter Tidehub zwischen Wedel und St. Pauli. Im Bereich Otterndorf verringert sich der Tidehub um 4 cm.

  • Salzgehalt
    Die Salzgehalte in der Tideelbe sind im Ist-Zustand durch Oberwasserabfluss und Tidegeschehen starken Schwankungen unterworfen. Die obere Brackwassergrenze bewegt sich infolgedessen innerhalb eines etwa 45 km langen Abschnittes der Tideelbe.
    Um die Ausbauwirkungen zu ermitteln, ist der über die Zeit gemittelte Salzgehalt zu betrachten. Er wird sich im Untersuchungsgebiet überwiegend in einer Bandbreite von -0,5 PSU bis +0,5 PSU verändern. Die größte Veränderung des mittleren Salzgehaltes ist im Bereich Brunsbüttel mit bis zu 0,7 PSU zu erwarten.
    Die Veränderungen sind bei hohem Oberwasser größer als bei niedrigem Oberwasser, werden aber weiter seewärts eintreten, mithin in Bereichen, die bereits im Ist-Zustand durch deutliche Schwankungen der Salzgehalte geprägt sind. Bei niedrigem Oberwasser kann die Brackwasserzone im ungünstigsten Fall um ca. 1400 m stromauf vorrücken.

  • Nebenflüsse
    Die ausbaubedingten hydrodynamischen Änderungen in den Nebenflüssen der Elbe erreichen maximal die oben genannten Werte und liegen generell deutlich darunter.



Alle von der BAW ermittelten Werte für die hydrodynamischen Veränderungen  sind relativ niedrig. Dies ist vor allem ein Ergebnis der auf Seite 14–15 beschriebenen Strombauwerke, die eine deutlich vermindernde Funktion ausüben. Zu einer verlässlichen Bewertung gehört aber die Frage, ob nicht auch diese geringen Veränderungen Wirkungen haben können.