Zukunft Elbe Startseite
Landschaftspflegerischer Begleitplan (LBP)
Der Ausgleich oder Ersatz der in der UVU ermittelten unvermeidbaren Beeinträchtigungen soll grundsätzlich im Gebiet des Eingriffs stattfinden und möglichst gleiche oder ähnliche ökologische Funktionen fördern. Entsprechende Maßnahmen beschreibt der Landschaftspflegerische Begleitplan (LBP).

Der ursprüngliche eingereichte LBP wurde im Rahmen der Planänderung I komplett neu erarbeitet.

Die Beeinträchtigungen infolge der Unterwasser-Ablagerungsflächen, der Spülfelder und der Auswirkung der Ufervorspülung Wisch wurden aufgrund der Stellungnahmen der Naturschutzbehörden neu bewertet. Es ergab sich hieraus weiterer Kompensationsbedarf für Lebensraumbeeinträchtigungen auf Flächen von zusammen rund 600 ha. Das exakte Maß für den Flächenbedarf der Kompensationsmaßnahmen kann erst ermittelt werden, wenn geeignete Flächen gesichert und auf ihr ökologisches Aufwertungspotenzial hin untersucht sind.

Die Unterlagen zur Planänderung III enthalten eine Ergänzung des LBP. Hier werden die geplanten Maßnahmen in den Suchräumen konkretisiert und die erforderlichen Kompensationsmaßnahmen (s.u.) einschließlich der Kohärenzsicherungsmaßnahmen zum FFH-Abweichungsverfahren (s. eigener Menüpunkt) dargestellt.

Durch die Planänderungen II erhöhte sich der Kompensationsbedarf um 11,5 ha auf gesamt 606,9 ha, während er sich durch die Planänderung III wieder reduziert, so dass insgesamt 539,4 ha Kompensationsbedarf verbleiben. In den geplanten Gebieten werden Kompensationsmaßnahmen auf einer Fläche von insgesamt ca. 754,65 ha umgesetzt. Unter der Berücksichtigung des Aufwertungspotenziales und der Zusatzfaktoren zu funktionalen und räumlichen  Bezügen sowie zum baulichen Aufwand wird dadurch ein anrechenbarer Kompensationsumfang von insgesamt ca. 569,74 ha erreicht.

Die geplanten Maßnahmengebiete sind:
  • in Hamburg: Zollenspieker,
  • in Niedersachsen: Barnkruger Loch, Allwördener Außendeich-Mitte und -Süd, Schwartonnensander Nebenelbe, Insel Schwarztonnensand, 
  • in Schleswig-Holstein: Vorlandflächen an der Stör, Offenbütteler Moor, Giesensand.

Ausgleichsmaßnahme Schwarztonnensander Nebenelbe

Die im ursprünglichen LBP beschriebene Ausgleichsmaßnahme „Schwarztonnensander Nebenelbe“ ist weiterhin Bestandteil der naturschutzfachlichen Begleitplanung.

Eines der wesentlichen ökologischen Probleme der Tideelbe ist der seit Jahrzehnten andauernde Verlust an „gewässermorphologischer“ Vielfalt, d.h. an dem Nebeneinander von Sandflächen, Schlickwatt, tidebeeinflusster  Ufer- und Vorlandzonen, Flachwasser- und Tiefwasserregionen, von strömungsgeprägten und strömungsberuhigten Abschnitten. Heute haben menschliche Eingriffe und natürliche morphodynamische Prozesse die Tiefwasserregionen und die Wattflächen vermehrt, die offenen Sandflächen, Flachwassergebiete und ruhigen Uferbereiche aber vermindert. Damit geht die örtliche Artenvielfalt zurück, und auch die Lebensbedingungen von Wanderfischen und Zugvögeln erschweren sich.

Ziel der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Rahmen der Fahrrinnenanpassung ist es, auch diesem negativen ökologischen Prozess entgegen zu wirken. Den Vorzug erhielten daher Maßnahmen, die den Anteil von Flachwasserregionen, „naturnahen“ Uferabschnitten und Sandflächen wieder vergrößern. Sie sollen in konzentrierter Form in einem großflächigen Areal im Bereich des Schwarztonnensandes realisiert werden.

Die heute stark verlandete Schwarztonnensander Nebenelbe ist für ein solches Vorhaben außerordentlich gut geeignet. Es ist geplant, sie durchgehend auf eine Solltiefe von NN -3,0 m zu vertiefen und besser an den Hauptstrom anzubinden. Damit sollen bisher trocken fallende Gebiete in ihrem stromauf gelegenen Abschnitt wieder während des gesamten Tidezyklus überflutet werden. Auf diese Weise entstehen aus heutigen Watt- und verlandenden Wasserflächen gut 100 ha zusätzliche Flachwasserfläche.

Im benachbarten Vorland von Asseler Sand sollen ca. 900 m vorhandener Uferbefestigungen rückgebaut werden. Es entstehen hier zwei Buchten von je 6.000 bis 9.000 m2 Größe mit Anschluss an den Flachwasserbereich der Schwarztonnensander Nebenelbe. Diese sogenannten Uferschlenzen bieten gute Lebensräume insbesondere für Kleinorganismen und laichende Fische. Die übrigen Flächen des Vorlandes werden dem natürlichen Bewuchs mit der Entwicklung von Hochstaudenfluren und Schilfröhrichten überlassen. 



Die sandige Oberfläche des Spülfeldes Schwarztonnensand (rd. 62 ha) soll als Lebensraum und Bruthabitat für Zwergseeschwalben kontrolliert und gepflegt  werden.

In der naturschutzfachlichen Bewertung dieser Maßnahmen wird hervorgehoben, dass ihre positive Wirkung sich nicht allein auf ihr unmittelbares Umfeld beschränkt. Das am Schwarztonnensand geschaffene große und hochwertige Biotop erschließt einen artenreichen und ausstrahlungsfähigen „biologischen Stützpunkt“ für die gesamte Tideelbe und bietet außerdem mobilen Tierarten wichtigen Rückzugsraum.


Ausgleichsmaßnahme Schwarztonnensander Nebenelbe